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Pilze braten

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November 18, 2017 by moi

20171118Lecker Pilzchen

 

Gestern morgen war ich erst sehr traurig und dann versöhnt und abends sehr froh, und das hat mit Pilzen zu tun. Pilze sind ein ganz wunderbares Lebensmittel. Aus mir heute unerklärlichen Gründen mochte ich als Teenie keine Pilze, ich glaube, ich hatte ein Problem mit ihrer Konsistenz, die ich irgendwie glibberig fand. Aber als Teenie fand ich auch Zungenküsse eklig und verstand nicht, warum Menschen, die sich gerne haben, sich gegenseitig in den Mund spucken. Ich weiß auch gar nicht mehr, wann das aufhörte, dass ich Pilze verschmähte, aber das ist ja auch egal, Hauptsache, man kommt irgendwann zu Sinnen.

Je älter ich werde, desto schlimmer finde ich den Winter, dieses Frieren und diese Dunkelheit und man denkt, das hört nie auf, und eigentlich ertrage ich das nur, weil vor dem Winter die Pilzsaison beginnt und ein paar Wochen kann ich danach noch davon zehren. Dieses Jahr habe ich den Beginn der Pilzsaison in Polen eingeleitet, als wir durch die westpommerschen Wälder galoppiert sind und einem dabei die Steinpilze um die Ohren flogen. Das tat schon ein bisschen weh, andererseits ist durch den Wald galoppieren sehr schön und besser, die Pilze fliegen an einem vorbei, als man hat gar keine Pilze in seinem Leben.

Steinpilze sind die besten aller Pilze, und sobald Saison ist, hole ich mir freitags morgens welche auf dem Isemarkt und freue mich den ganzen Tag darauf, abends Pilze zu braten. Auch wenn ich sonst liebend gerne mit Essen rumexperimentiere, bin ich bei Pilzen ausgesprochen klassisch, da kommt nur Butter dran und Salz und Pfeffer und Petersilie und Schalöttchen und allerhöchstens ein bisschen Weißwein. Oder sie werden mariniert, aber das mache ich auch immer gleich. Dass man sie immer gleich zubereitet, befördert natürlich, dass Pilze Stabilität geben in turbulenten Zeiten. Ich behaupte, dass es neben Pasta kein wirkungsvolleres Essen gibt als Pilze, um Menschen zu bekochen, die man gern hat und die ein bisschen aufgepäppelt werden müssen.

Das liegt auch daran, dass Pilze schön sind und klug. Sie sind das einzig sympathische Superfood, weil sie keine Streber sind, sondern anarchistisch im Wald rumwachsen und schon gesund waren, als es noch nicht cool war, Superfood zu sein. Vor kurzem habe ich den Steinpilzhändler meines Vertrauens gefragt, warum Steinpilze denn immer aufgeschnitten da liegen, und dann sagte er: Um zu zeigen, dass da keine Maden drin sind, und dann habe ich ihn gefragt, ja, das hätte ich auch schon mal erlebt, aber warum denn ausgerechnet Steinpilze zu Maden neigen würden, und er sagte: Naja, das sind halt Waldpilze, und das gehört bei denen dazu, und ich verrate Ihnen jetzt mal was, weil ich glaube, Sie können das vertragen: Die Maden sind gar nicht schlimm, die kann man einfach abwischen oder sogar mitessen, aber wenn ich das laut sage, kauft hier niemand mehr ein.

Es gefällt mir sehr gut, dass so ein Luxuslebensmittel wie der Steinpilz seine Wurzeln nicht vergisst und die Maden, die ihm beim Wachsen geholfen, nicht wegscheucht, sobald er gewachsen ist. Jetzt wollte ich aber gestern auf dem Markt wagemutig unaufgeschnittene Steinpilze kaufen und den Versuch wagen, aber die Steinpilzsaison ist vorbei. Also bin ich zum Pilzstand gegangen (der hat natürlich auch super Steinpilze, aber mir gefällt der Gedanke, zwei Pilzhändler zu haben) und habe nach Alternativen gesucht. Der Pilzstand auf dem Isemarkt ist ein ganz wundersamer Ort, an dem es mindestens zehn verschiedene Pilzsorten gibt, die man erst kennenlernen muss. Und dann habe ich Trompetenpilze gekauft, Pfifferlingtrompeten und Totentrompeten, die kann man wirklich essen, ich habe das sicherheitshalber noch einmal gegooglet. Das war sehr aufregend und was noch viel besser war, sie waren wirklich sehr lecker. Ich mag an Pilzen, dass man sie nicht immer bekommt, sondern nur, wenn es ihnen passt, aber dann machen sie eben auch garantiert glücklich. Wahrscheinlich hat man das als Teenie in seiner Krawallhaltung einfach noch nicht verstanden: Pilzchen sind einfach verhuscht und widerspenstig und nicht glibberig, sondern einfach sehr zärtlich.


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