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Is ja albern!

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Januar 17, 2017 by moi

20170115Better be an apple than a duckface

 

Wenn ich abends nicht einschlafen kann oder sonstwie runterkommen muss, höre ich gerne alberne Musik auf Youtube, und am liebsten mag ich es, wenn es zum albernen Lied auch noch alberne bewegte Bilder gibt. Hierzu muss man sagen, aber das wird der eine oder andere schon vermutet haben, dass der Begriff „albern“ in meiner Lebenswelt ganz und gar nicht negativ belegt ist sondern vielmehr etwas bezeichnet, was gute Laune macht und dabei ein bisschen nerdy oder cheesy ist. Und was auch immer nerdy bzw. cheesy ist, ist in irgendeiner Weise offen, angreifbar und vielleicht sogar ein bisschen rührend.

So wie das Video von „Stumblin’ in“ aus dem Jahr 1978, bei dem ich letztens gelandet bin. Da singen Chris Norman und Suzi Quatro über Boy meets girl, das geht immer. Youtube als kulturelles Gedächtnis hat vermutlich schon so manchen Künstler rehabilitiert. Chris Norman ist mir hauptsächlich im Gedächtnis durch seine Teilnahme an einer grauenhaften Comeback-Show vor 13 Jahren und durch „Who the fuck is Alice“ in der Ballermann-Version, und dann sieht man dieses Video und denkt sich, ach, das ist doch ein wirklich schöner Song und für ihre Frise muss man ihr echt Respekt zollen, und googlet, ob beide noch leben, und erfährt, dass Chris Norman Titelsongs für Schimanski-Folgen gesungen hat. Rehabilitation voll geglückt!

Was bei diesem Video wie auch bei anderen Musikvideos aus einer Zeit, bevor es PR-Berater gab, so wunderbar ist, ist die Holzhammergestik bei gleichzeitiger Abwesenheit einer stringenten Choreografie: Zum leidlich versteckten Playback staksen und schmachten Norman und Quatro derart unbeholfen ums Mikro herum, das man ihnen fast abnimmt, dass sie wirklich verliebt sind. Und dann denkt man ein wenig wehmütig an eine Zeit zurück, als Fußballer noch Dinge sagten wie „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien“ und Menschen Homepages von großer ästhetischer Zweifelhaftigkeit bauten, einfach nur, weil man es liebte zu zeigen, dass man sich beigebracht hatte, ein Frame oder eine Image Map zu bauen, und das in möglichst vielen, sich stark unterscheidenden und möglichst blinkenden Farben.

Noch ein Fall von nicht ganz stringenter Choreografie, aber thematisch topmodern

Nun beobachte ich mit Entzücken, insbesondere bei meinen Studierenden, wie diese Albernheit durch Snapchat wieder auflebt. Die haben nämlich ein ganz süßes Projekt gemacht, in dem sie mit Snapchat ihre Uni vorstellen. Es heißt The Simple Life of HAW.

Ob es das vermeintlich Ephemere von Snapchat ist oder die Befreiung davon, kohärente Sinnzusammenhänge schaffen zu müssen, das weiß niemand. Aber mit Snapchat gibt es wieder ein Ort, an dem es bunt ist, absurd, und auch wunderbar albern, und darauf kann man doch aufbauen.

 


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