RSS Feed

Genderboygroups

0

August 25, 2014 by moi

20140825Besonders schön: Nicks Mc-Donalds-Haarschnitt. Quelle: bravo-archiv.de

Ich kündige hiermit schon einmal an, dass die nächsten beiden Blogeinträge sich auf Ereignisse meiner näheren Vergangenheit beziehen werden, also Dingen, die vor zwei Wochen passiert sind. Das liegt daran, dass ich letzte Woche meine Doktorarbeit abgegeben und meine neue Arbeit am nächsten Tag begonnen habe. Außerdem wird es nicht nur zeitverzögert, sondern auch achronologisch: Es geht nämlich erst um Boybands und danach erst um Strandurlaub im Einzelzimmer.

Auf dem Rückflug von Korsika nach Hamburg habe ich in Berlin halt gemacht, weil das Flugzeug dort landete und ich meine alte Mitbewohnerin besuchen wollte. Wir teilten damals eine tiefe Liebe zum Tatort, Shopping Queen und diversen Formaten des Trash-TV. Also verbrachten wir unseren Samstagabend in Berlin mit einer dreieinhalbstündigen Vox-Dokumentation über Boygroups. Dreieinhalb Stunden? Ich glaube, Vox möchte einen Grimme-Award für Tiefenrecherche.

Als ich Teenie war, fand ich Boygroups doof, weil ich dafür zu alternativ war (abgesehen von einer dreimonatigen Backstreet-Boys-Phase mit Buffalo-Clogs. Yes, Baby). Die waren gecastet, aalglatt, und die Songs hörten sich alle gleich an. Im Zuge dieser fantastischen Reportage musste ich allerdings umdenken: Den genderpolitischen Aspekt von Boybands habe ich damals, mit fünfzehn, nie bedacht. Zum ersten Mal in der Popgeschichte wurden junge Männer ausschließlich in ihrer Funktion als sexuelle Fantasmen verkauft, ohne selber irgendein Mitspracherecht zu haben. Und: Für den Not-a-girl-not-yet-a-woman-Markt getestet wurden diese Bands in aller Regel in Schwulenclubs. Mark Owen von Take That erzählte, auch nach zwanzig Jahren noch sichtlich verstört, wie er als junger Mann Ketten- und Lederklamotten anziehen musste. Lou Pearlman, Ziehvater der Backstreet Boys, N’Sync und anderer Kapellen, hatte definitiv Zuhälter-Appeal und verbot seinen Zöglingen, Freundinnen zu haben. Und bei Betrachtung der Videos dachte man sich, außer: Wie hässlich waren bitte die Klamotten? auch: Die räkeln sich halbnackt im Regen wie heute Rihanna. Die Videos von One Direction heute sind weniger sexualised, und außerdem bestehen sie alle darauf, dass sie nicht nur gut aussehen, sondern auch Instrumente spielen können. Auch die Boybands sind in der Heteronormativität angekommen. Schade eigentlich.

Das hier ist schon relativ geschmackvoll. Aber ich mag das!


0 comments »

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>