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Fortpflanzungsfragen

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Januar 14, 2013 by moi

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Bitte nicht anfassen: Wie heilig ist heterosexuelles Paarungsverhalten?

 

Leider kann man Paris nicht immer lieben. Es gibt zum Beispiel Tage, da möchte man faule, homosexuelle Tomaten in Brautkleidern auf einen pseudo-fröhlich pinkblauen, heteronormativen Franzosenmob werfen. Auf jeden eine, also zwischen 350.000 (sagt die Polizei) und 1.000.000 (sagen die Veranstalter) Tomaten. Mehrere hunderttausend Menschen haben in Zeiten von Euro-Krise und Mali-Einsatz offenbar keine größeren Sorgen, als den Untergang Frankreichs zu fürchten, wenn Homosexuelle heiraten und – schockschwere Not! – auch noch Kinder adoptieren dürfen. Untergang, ganz richtig: Serge Dassault, der Herausgeber des konservativen Figaro, hatte bereits im November verkündet, das antike Griechenland sei zugrunde gegangen, weil die Männer sich zu sehr mit Jungs vergnügt hätten. Ein Schicksal, das nun auch Frankreich drohe.

Als Außenstehender fragt man sich, was ist los mit einem Land, das sich sonst so groß den Laizismus auf die Fahnen schreibt, und plötzlich mit der christlichen Tradition der Ehe argumentiert? Die auf eine ultrakatholische Comedytante hört, die sich “Frigide Barjot” nennt? Die naive Studentinnen, die sich beim Klettern ohne Ausrüstung verlaufen haben, auf Kosten des Steuerzahlers von zehn Marinefeuerwehrmännern retten lässt und nun befürchtet, die Finanzierung der künstlichen Befruchtung lesbischer Frauen würde zum Zusammenbruch des Gesundheitssystems führen? Ihr seid doch sonst so putzige Ferkel, was soll die reaktionäre Spießigkeit?

Und dann geht man am 13.1., an dem Tag, an dem sich die “Manif pour tous”, die “Demo für alle” (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, ne?) zusammenrottet, in eine Ausstellung für Kinder im “Palais de la Découverte”. Sie heißt Bête de sexe, handelt von Sexualität im Tierreich und empfängt den wissbegierigen kleinen Besucher mit einem fünfminütigen Video über wilden Gruppensex bei den Bonobo-Affen sowie sämtlichen Folgen von Isabella Rosselinis Aufklärungsvideos „Green Porno“, in denen sie u.a. die sadomasochistischen Veranlagungen der Schnecken anschaulich darstellt.

Alle Formen der Sexualität kämen in der Natur auch vor und seien für Inspiration frei zugänglich, erklärt diese Ausstellung den charmierten französischen Kinderchen. Und stellt ihnen am Ende die Gretchenfragen: Glaubt ihr an die wahre Liebe? Sind wir für Monogamie gemacht? Ist Liebe ohne Sex besser als Sex ohne Liebe? Ach, man versteht sie nicht. Aber danach hat man sie doch wieder irgendwie ganz gern. Vielleicht kann man von den Schnecken doch mehr lernen, als man dachte.

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