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Feminismus auf Rädern

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Oktober 9, 2014 by moi

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Auch Süßigkeiten fürchten die Nackenkralle

Das Schöne an Hamburg ist ja, wenn einem im Sommer Dinge einfallen, über die man einmal schreiben möchte, wofür man dann keine Zeit findet, weil man am See rumhängt, dann kann man diese Dinge im Herbst oft noch einmal aufgreifen, weil der manchmal sogar noch schöner ist als der Sommer, aber nach dem goldenen Herbst kommt der richtige Herbst und es ist nicht unattraktiv, zu Hause rumzusitzen und Blogeinträge zu schreiben, von denen man dann immer noch behaupten kann, sie befänden sich unmittelbar am Zahn der Zeit.

Und zwar handelt es sich um eine Beobachtung, die ich beim Fahrradfahren über Fahrradfahrer gemacht habe. Als Ergebnis eines ausgeprägten körperlichen Unwohlseins gegenüber zivilisatorischen Regeln sowie ausschweifender feministischer Diskussionen bin ich skeptisch gegenüber jedweder Form von unilateralen Machtgesten, dazu gehört vor allen Dingen das Tanzen, aber auch die Nackenkralle. Ihr wisst schon, wenn er ihren Hals umfasst wie diese Krallendinger auf der Kirmes, mit denen man nie ein Plüschtier krallt, und jetzt hat er aber was gekrallt und führt sie weltmännisch durch die Gegend. Machtgesten haben ja durchaus ihren Reiz, aber wenn sie unilateral sind, ist das scheiße, und Männer sind in aller Regel dann doch größer sind als ihre Frau, auch wenn die sich mit Acht-Zentimeter-Absätzen auf 1,73 Meter pimpen.

Diesen Sommer aber habe ich sehr angetan beim Fahrradfahren beobachtet, wie Frauen – und es waren eigentlich immer Frauen – ihren Männern den Nacken gekrallt haben, während sie an einer roten Ampel darauf warteten, weiterfahren zu können. Auf Fahrrädern sind irgendwie alle mehr oder weniger gleich groß, das finde ich nicht nur aus feministischen Gründen schön. Diese Paare, die der Unilateralität die Zunge rausstreckten, sahen noch nicht einmal wahnsinnig feministisch aus, was mich noch mehr entzückte. Gleichberechtigung, und das auch noch überall!

Diese Begeisterung wollte ich allerdings noch intellektuell fundieren und googlete daher „Nackenkralle“. Ich war mir ziemlich sicher, dass das ein Ausdruck war, den ich mal in feministischen Gesprächskreisen gehört hatte. Es gibt indes kaum Google-Einträge zu dem Begriff, und man wird auch gleich auf Rückenkrallen und Kratzstäbe verwiesen, außer in einem Blog, in dem damit aber der unilaterale Unterwerfungsvorgang bezeichnet wurde, wie eine Cabriobeifahrerin dem Fahrer ergeben den Nacken krault, während sie an einer roten Ampel stehen. Nach den Beschreibungen der Bloggerin könnte man über dieses Paar mutmaßen: Er krallt, sie krault. Noch ein Grund neben der Erderwärmung, vom Auto aufs Fahrrad umzusteigen.


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