RSS Feed

Einfühlung und Entfremdung

0

Februar 7, 2013 by moi

20130207

Copyright: Kirill Iosipenko

 

Es war einmal eine Zeit, da glichen Theaterbesuche einer Odyssee durch fremde Länder (Bochum, Düsseldorf, Mülheim an der Ruhr). Man hatte keine Ahnung von dem Stück und es war wurscht, die Eltern hatten die Tickets in ihrem Bildungswahn angeboten wie sauer Bier und es bot vor allem eine gute Gelegenheit, auf dem Ruhrschnellweg Pulp zu hören. Aber dann passierten manchmal tolle Dinge im Theater, mit denen niemand hätte rechnen können.

If we get through this alive, I’ll meet you next week, same place, same time

 

Dann fing das an mit dem Journalistenjob, Vorberichterstattung, Fotos einsammeln, Namen von Regisseuren und Schauspielern richtig schreiben müssen, das bringt eine gewisse Vorhersehbarkeit des Theaterbesuchs mit sich und man muss hart kämpfen darum, dass der Mund beim Blick auf die Bühne offen steht bis die Fliegen ein- und ausgehen, dass man sich fragt, hat das was mit mir zu tun oder ist das völlig anders als alles, was ich bin.

Manchmal aber ist die Lage klar wie Kloßbrühe und das ist gut so. Wenn es zum Beispiel während der Lessingtage in René Polleschs “Kill your Darlings” um die kapitalistische Bösartigkeit von Netzwerken und die Frage geht, warum sich niemand mehr aus Liebe umbringt. Vor allem, wenn auf dem Platz dahinter Menschen sitzen, die kein Mensch sehen will. Du Netzwerk behauptest, du könntest Beziehungen führen. Aber das kannst du gar nicht. Du bist zu viele: Es gibt Situationen im Leben, in denen ist nichts mehr angebracht als eine bunte Paillettenleggings.

Ich behalt dich im Auge!

 

Beim “Circo Ambulante” des russischen Avantgardisten Andrej Mogutschi hingegen fragt man sich, was es mit der Faszination für Stierhoden auf sich hat, die auf einer kleinen vulkanischen Insel, die von Luftballon-Haien mit beweglichem Schwanzteil umzingelt ist, im Fleischkombinat an den Oberkonduktor geliefert werden. Auch das russische Fernsehen ist offensichtlich ratlos:

 

Aber dann wird von jemandem berichtet, der sich aus Liebeskummer in den Hochofen geschmissen hat. So geht das, du Netzwerk! Und dann auch noch in einen Hochofen! Das Ruhrpottmädchen ist verzückt.

P.S.: In keinem der oben angeführten Stücke hat sich jemand nackt ausgezogen. Keine Angst vor Theater!


0 comments »

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>