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Champagner für alle

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Januar 1, 2017 by moi

20170101Auch das ist Ausnahmezustand: Ausnahmsweise ist Champagnermonat. 

 

Kürzlich habe ich ein überaus kurioses Gespräch geführt. Ich wurde gefragt, ob ich es nicht merkwürdig finden würde, dass man über meinen Blog so viele private Dinge über mich im Internet finden würde. Das hat man mich 1999 sehr viel gefragt, aber gegen 2009 hörte das eigentlich auf. Ich fand es erstaunlich, dass irgendjemand denkt, so ein Blog sei in seinem Spiel mit der Wirklichkeit und ihren mannigfaltigen Ebenen am Ende des Tages etwas anderes als Fiktion. Allein schon: Wie könnte das Dasein ausschließlich so rosa sein wie dieser Blog? Es ist immer noch viel Aufklärungsarbeit zu betreiben, Edith Piaf zu hören und sorgfältig Lyotard zu lesen: Cacher – montrer: la théâtralité, das passt immer.

Nun ist die Welt zur Zeit alles andere als rosa, aber zu den vielen Verweigerungen, die dieser Blog betreibt, gehört auch die Weigerung, Kommentare aufs tagespolitische Geschehen zu schreiben. (Im Übrigen geht es hier immer grundsätzlich um alles, das macht sowieso mehr Spaß). Aber es wurde zu wenig geschrieben, so viel steht fest, und deswegen ist mein hehrer Vorsatz für 2017, alle zwei Wochen einen neuen Beitrag zu veröffentlichen.

Im Zweifelsfall schreibe ich einfach immer wieder über Paris oder Feminismus oder Champagner (auch darum geht es hier eigentlich immer). Es gab einmal eine Zeit, in der mein Leben nicht so aufgeräumt und bürgerlich war wie jetzt, und da saß ich in Lissabon auf einer Terrasse und beschwerte mich bei meiner Begleitung, dass mein Leben ja eigentlich durch und durch prima sei, aber sich ständig immer alles rasant ändern würde und ich es sehr befürworten würde, wenn es mal so was wie eine Konstante in meinem Leben gäbe, aber dann ist mir aufgefallen, es gibt ja eine: Champagner. Champagner ist die Konstante meines Lebens.

20170101_2Champagner ist außerdem vielseitig einsetzbar

 

Im Übrigen muss ich als Sozialistentochter streng darauf hinweisen, dass Champagner kein Luxusgut ist, sondern Lebenselixier. Ich habe während meiner Promotion oft in einer WG in Montmartre gehaust, in der ich mich lange gefragt habe, wie sich eine Philosophiestudentin, ein Maurer und eine Fotoassistentin eine 120m2 große Wohnung in Paris leisten können, bis ich herausgefunden habe, dass es in der Wohnung keine Heizmöglichkeiten gab. Im Winter sind die immer so lange in ihrer Stammkneipe geblieben bis die geschlossen hat und dann haben sie sich mit fünf Decken ins Bett gelegt. Da hatte niemand Geld, immer gab es gutes Fleisch und Champagner. So ist das. Champagner ist unbedingt notwendig für die eigene Würde und das Leben und den Weltfrieden. Champagner für alle!

Und wo wir gerade bei Paris sind: Ich war im Dezember wieder mal da, und das ist ja eine einigermaßen lädierte Stadt, in der weiterhin der Ausnahmezustand herrscht, was bedeutet, dass man beim Theaterbesuch von Sicherheitskräften gescannt wird wie am Flughafen und am Bahnhof nicht rennen darf, um seinen Zug zu bekommen. Soziologisch ist das sehr interessant, weil die Sicherheitskräfte zumeist Maghrebiner sind, also bezahlen die Franzosen die Menschen, vor denen sie sich so furchtbar fürchten, um sie vor sich zu beschützen. Ich weiß ja sowieso nicht, ob dieses Jahr wirklich so schlimm war oder nicht einfach nur Dinge sichtbar geworden sind, die vorher auch schon da waren. Ich persönlich bin ja ein großer Fan des Sichtbarmachens und der Öffentlichkeit, und darauf stoße ich an und aufs neue Jahr, am Liebsten mit Champagner, der so rosa ist wie dieser Blog.


1 comment »

  1. Katja Casanova sagt:

    Liebe Hanna,

    Ich möchte Dich ganz dringend und öffentlich bei Deinem Vorsatz unterstützen, mindestens alle zwei Wochen etwas zu bloggen. Allez la rose!

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