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Blonde Intelligentsija

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Februar 1, 2014 by moi

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 Die Blonde Intelligentsija beim Planen der Weltrevolution

 

Es ist ja überhaupt mit das Wichtigste auf der Welt, sich zu verbünden, und manchmal ist es auch wichtig, sich mit Menschen zu verbünden, die nicht nur genau so denken und fühlen, sondern auch dieselben Haare haben wie man selbst. Ich bin seit kurzem Teil eines neu gegründeten Geheimbundes, der Blonden Intelligentsija. Das ist ein Zusammenschluss wilder, scheuer Mädchen mit einer Schwäche für Wasserstoffperoxid. Dass wir alle Feministinnen sind und sehr klug, versteht sich von selbst.

Die Blonde Intelligentsija entwickelte sich gegen Ende 2013 aus dem Orden des Libertären Asketismus heraus. Ich trank Bier mit einem Mitglied der BI, die sich die Nächte um die Ohren schlägt, um zusammen mit Gilles Deleuze die rhizomatische Revolution zu planen, und erzählte, dass neben Theater mein neuer Themenschwerpunkt Prostitution sei. Der Gedanke, Koks- und Nuttenbeauftragte zu sein, gefiel mir ausnehmend gut, gleichzeitig amüsierten wir uns darüber, dass wir für ausschweifende Lebensformen plädieren, selber aber ein völlig mönchisches und strebsames Dasein führen. Es gibt Frauen, die sind die Königin der Nacht, wir sind die Königinnen der Nachtschichten. Naja, es gibt Zeiten im Leben, da ist es besser, sich in der Welt zu engagieren, ohne an ihr teilzunehmen: Der Orden des Libertären Asketismus war geboren.

Es gibt ein wunderbares Buch von Julien Greene, „Der Andere“, das mein Pariser Doktorvater mir einmal wärmstens ans Herz gelegt hat und bei dessen Lektüre mir tatsächlich sehr warm ums Herz wurde. Dort wird eine Liebesgeschichte zwischen einem dänischen Mädchen und einem französischen Jungen im Jahr 1939 erzählt, und an einer Stelle heißt es:

„Ab und zu schloss ich die Augen und verfiel in einen Halbschlaf, den die Kirchenuhr zu jeder halben Stunde zerriss, doch zeitweilig vergaß ich meine Kümmernisse und genoss die einzigartige Lust, einfach am Leben und jung zu sein. Die Sonnenstrahlen auf meinem Körper waren wie eine warme Liebkosung, wie eine Linderung aller meiner Schwierigkeiten: Ich, das war nichts weiter als mein Körper, so sollte es sein, ich wollte, dass mein Körper mir eine Zuflucht bot vor der Verzweiflung und den Widrigkeiten der Liebe, ich liebte niemanden mehr, ich gehörte der Sonne und dem Wind, der von Kopf bis Fuß über mich hinstrich.“

Die Blonde Intelligentsija braucht noch ein Programm, und vor allem einen Soundtrack. Eine Weltschmerz-Hymne haben wir schon und suchen jetzt eine Internationale. Das Programm entwickelt sich aus Abgrenzungskriterien. Roten Lippenstift in den Haaren tragen finden wir gut. Jeanne d’Arc finden wir scheiße. Alles weitere wird sich zeigen.

Bildet blonde Banden!


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