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Bahnfahren

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September 26, 2017 by moi

20170925Zugegeben: Eine gewisse Text-Bid-Schere, aber: Am Ende des Bahnfahrens kommt man manchmal an schönen Seen an.

 

Ich komme gerade aus dem Urlaub zurück, es war diesmal nicht ganz so warm wie in Portugal, im Gegenteil gab es sogar sehr viel Regen. Das hat mir aber nichts ausgemacht, denn ich war Ponyreiten, und wenn ich Ponyreiten gehe, will ich, dass es wild ist, da muss es nicht unbedingt sonnig sein.

Ich war Ponyreiten in Polen, zwischen Stettin und Danzig, von der Westpommerschen Seenplatte bis zur Ostsee und zurück. Da kann es sowieso immer regnen, auch im Sommer, das weiß die Iphone-Wettervorhersage und auch diverse Klimatabellen bei Google. Doch was selbst Menschen, die mich gut kennen, oft nicht wissen, ist: Ich besitze eine gesamte Garnison Funktionskleidung, darunter eine Jack-Wolfskin-Regenjacke und eine Fleeceweste.

Es war sehr aufregend in Polen, aber was noch viel aufregender war, war die Reise dahin. Ich bin mit der Bahn dorthin gefahren, ein bisschen wegen des ökologischen Fußabdruckes, aber auch, weil ich Bahnfahren wirklich gerne mag. Eigentlich finde ich, Entfernungen bis zu zehn Stunden sollte man immer mit der Bahn fahren. Trotzdem war es ganze fünf Jahre her, dass ich mit der Bahn ins europäische Ausland gefahren bin: 2012 bin ich 16 Stunden in die Bretagne gefahren und außerdem 9 Stunden nach Wien.

Man bereitet sich weniger vor auf eine Reise, die man mit der Bahn antritt, weil man weiß, man kann an der nächsten Station aus- und wieder einsteigen, wenn man seine Zahnbürste vergessen haben sollte und muss nicht durch irgendwelche komischen Scanner durch. Von Hamburg nach Stettin, wo ich Zwischenstopp gemacht habe, sind es 400 Kilometer oder fünfeinhalb Stunden Fahrt, von Hamburg nach Lubowo, wo ich ausgestiegen bin, 550 Kilometer und acht Stunden Fahrt. Das ist schon auch gar nicht so wenig. Für eine Zahnbürste fährt man da auch nicht mehr zurück.

Vor allem aber darf man aus der Tatsache, dass man mit der Bahn entspannter reist als mit dem Flugzeug, nicht ableiten, dass es weniger exotisch wäre, ganz im Gegenteil. Ich bin ja schon durchaus traurig darüber, dass einem mit all den Reisen und dieser praktischen, aber elendiglichen Google Maps-Bequemlichkeit einem ja leider mit der Zeit das Gefühl von ungewisser Verlorenheit beim Reisen verloren geht. Wer das vermisst, dem kann ich eine Bahnfahrt in der Bimmelbahn von Bad Kleinen nach Stettin nur sehr ans Herz legen, da fragt man sich schon, wie endlos eigentlich MeckPomm ist und ob man da je wieder rauskommt (außerdem kann man in Bad Kleinen historischen RAF-Katastrophentourismus betreiben). Da sitzt man in einer Bahn, die exakt einen Waggon lang ist, und fährt an unendlichen Heuballen und winzigen Bahnhöfen mit einem Gleis vorbei und das hört nie auf. Und nein, die Verlorenheit kommt nicht daher, dass man im Osten ist und mit lauter Nazis in der Bahn sitzt. Es saßen, wenn überhaupt, zwei Nazis drin. Grundsätzlich finde ich, es tut vor allem Großstadtmenschen in Filter Bubbles sehr gut, sich ab und an in eine Regionalbahn zu setzen und ein Gefühl für den demografischen Durchschnitt zu kriegen. Wer seine Souveränität verlieren und das Ungewisse entdecken will, muss eigentlich nur in die Provinz fahren.


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