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50 Jahre Blümschen

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Januar 20, 2013 by moi

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Diese deutsch-französischen Freundinnen eint der Wunsch, Charles Aznavour zum Opa zu haben

 

Am 22. Januar feiert der Elysée-Vertrag seinen 50. Geburtstag, was ein famoser Anlass ist, ein auf diesem Blog bislang völlig vernachlässigtes Thema aufzugreifen: Die deutsch-französische Freundschaft. Schließlich betonte Charles de Gaulle einst in gewohnter Bescheidenheit, dass sich auf den deutsch-französischen Beziehungen nicht nur die europäische Einheit, sondern gar die Freiheit der großen, weiten Welt gründen würde.

Arte hat das zum Anlass genommen, um eine große Umfrage unter 25.000 Usern zu starten, die Erstaunliches zu Tage förderte, nämlich dass 60 % aller Franzosen gerne in Deutschland leben würden (J’ai un doute!), im Gegenzug aber nur 55% der Deutschen in Frankreich. Aber auch die Klischees bewahrheiteten sich: Als erste Eigenschaft der Deutschen fällt den Franzosen „peinlich genau“ ein, als letzte „verführerisch“, die Deutschen hingegen glauben, dass ihre gallischen Nachbarn gut genießen können, aber nicht besonders gründlich sind.

Ohne die deutsch-französische Freundschaft hätte es aber auch zahlreiche Chansons, ins Deutsche übersetzt und mit Nuschelwuschel geträllert, nicht gegeben. (Deutsche Schlager, ins Französische übersetzt und in breitem teutonischen Akzent vorgetragen, gibt es aus unerfindlichen Gründen nicht ganz so häufig.) Besondere kulturelle Dienste kommen dabei Charles Aznavour zu, der sehr viel Glück hatte, von Edith Piaf entdeckt zu werden, weil er nämlich winzig klein ist und leicht übersehen worden wäre. Die deutsche Übersetzung von „Tu t’laisses aller“ handelt vom Gammelsyndrom in Langzeitbeziehungen und ist genderpolitisch alles andere als korrekt, aber trotzdem irgendwie süß:

Du bildest dir doch wohl nicht ein, du könntest reizvoll für mich sein.
Mit deinen unbedeckten Knien, wenn deine Strümpfe Wasser zieh’n.
(…)
Das bringt mich nachts, sogar im Traum, im tiefen Schlaf noch auf den Baum.

Und weil das hier ein Hippiekinderblog ist, der nicht nur Freundschaft, sondern auch Weltfrieden will – und danke Charlie Gaulle wissen wir ja, dass der in der deutsch-französischen Freundschaft gründet – schließt dieser Beitrag mit „Where have all the flowers gone“. Von Dalida und Marlene Dietrich, beide haben ausgeprägte Wangenknochen und singen sehr schön und sehr tief. Aber ein bisschen Klischee muss auch im Antikriegsliedmilieu sein, wir haben: Dalidas verzweifelt-schmachtenden Blick und Rosen-Choreografie, und Marlene Dietrich mit einer Haltung, der man nur einen Namen geben kann: la rigueur prussienne.


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